Ist der Freundeskreis Asyl jetzt im Schwabenalter? Im badischen Radolfzell? Wir wissen es nicht, aber wir wissen, dass wir noch gebraucht werden, vor allem von den Geflüchteten, für die wir seit 40 Jahren Hilfe und Unterstützung geben, wenn sie sich bei uns einleben wollen.
Diese 40 Jahre FK Asyl Radolfzell haben wir am 12. September 2026 im „Haus der Begegnung“ mit vielen Menschen gefeiert – mit Gründungsmitgliedern, neuen und ehemaligen Helferinnen und Helfer, Geflüchteten, die seit Jahren hier leben und die sich gut integriert haben und neuen Flüchtlingen, die erst vor kurzer Zeit hier angekommen sind und die noch dabei sind, sich in die fremde Sprache und die ungewohnte Umgebung einzufinden.
Da gleichzeitig das Altstadtfest in Radolfzell stattfand und das ehemalige Weltkloster für einige Besucher auf dem Weg lag, warfen auch diese einen Blick in die Räume und ließen sich erklären, was wir alles so machen. Manche waren nur an unserem kleinen Flohmarkt interessiert, der zum großen Teil mit Gegenständen aus unserem Spendenlager bestückt war, aber auch bei diesen Besuchern ist der Freundeskreis jetzt präsenter.

Im Gebäude war um die Mittagszeit unser „internationales Büfett“ eine Attraktion. Geflüchtete aus vielen Ländern brachten jeweils ein typisches Gericht aus ihrer Heimat mit. Von Vorspeisen bis zu süßen Desserts war alles dabei und die Gäste waren von der Vielfalt der Gerichte und deren Geschmäckern begeistert. Für den Radolfzeller OB Simon Gröger, der uns mit seiner Familie gegen 13 Uhr besuchte und sich für unsere Arbeit bedankte, war schon nicht mehr viel Auswahl übrig.

Neben einem Video über den Freundeskreis, das Menschen und Ereignisse aus den letzten 40 Jahren nochmal aufleben ließ, war unser Projekt „Living Library“ für viele Besucher sehr aufschlussreich. In kurzen Sitzungen erzählten Geflüchtete aus Algerien, Syrien, Afghanistan, der Türkei, Eritrea und Somalia über die Hintergründe ihrer Flucht, ihre Erlebnisse und Erfahrungen in Deutschland und mit den Deutschen. Mit dabei war auch eine der ersten Ankömmlinge aus Sri Lanka, die im Jahr 1985 hierher kam, immer noch in Radolfzell lebt und für die Radolfzell jetzt Heimat ist. Jeweils im Anschluss standen die Erzähler für die Fragen und Kommentare der Zuhörer bereit, so dass die Berichte wirklich „lebendig“ wurden.
Leider war der Ansturm beim Tag der offenen Tür in Spendenlager und Fahrradwerkstatt überschaubar, die alte Paketposthalle lag einfach nicht auf dem Weg zum Altstadtfest und so fanden nur wenige Besucher den Weg dorthin. Wir planen jedoch, erneut einen separaten Tag der offenen Tür in der Fahrradwerkstatt zu machen, wenn Fahrrad Nummer 1.500 übergeben wurde – voraussichtlich wird dies im November der Fall sein.
